G wie Gradieren im Makerist Nählexikon - Powered by Prym

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Das Wort Gradieren hat viele Bedeutungen. Es kann bedeuten, dass etwas konzentriert, also quasi verdichtet und somit verkleinert wird, aber auch, dass etwas vergrößert wird. Das klingt im ersten Moment ziemlich verwirrend, ergibt am Ende aber doch auch für uns im Nähbereich Sinn: beim Nähen oder vielmehr beim Schnittmuster erstellen, ist Gradieren nämlich der Prozess, in dem Schnittmuster für verschiedene Größen angepasst, also vergrößert und verkleinert werden.

Doch wie entsteht überhaupt ein Schnittmuster? Ein informationsreiches Video mit den wichtigsten Basics zu diesem Thema hat unsere Makerist Designerin Fadenkäfer schon gemacht. Schaut es euch hier gerne an.

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In der Konfektion wird der Prototyp für ein Kleidungsstück für Damen in der Regel in einer 36 oder 38 entworfen, gezeichnet und genäht. Diese Größen gelten dabei als Normgrößen, auch wenn die durchschnittliche Kleidergröße der deutschen Frau 42/44 ist.

Wenn dieser Prototyp für gut befunden wurde, soll er nun in weiteren Größen zu realisieren werden. Der Schnitt muss also größer und kleiner gezeichnet werden. Genau dieser Prozess ist das Gradieren. Der Trick hierbei ist, dass das Kleidungsstück nicht ganz einfach größer genäht werden kann - vielmehr sollen die sorgsam designten Proportionen behalten werden.

Beim Gradieren werden verschiedene Stellen verschieden weit verändert. Das einfachste Beispiel hierfür ist die Körpergröße: Die Konfektionsmode verwendet für ihre Maßtabellen, nach denen dann die Prototypen erstellt werden, Daten aus Reihenmessungen. Dabei geschieht Folgendes: Die Körpergröße der Durchschnittsfrau wird für viele Kleidungsgrößen gleich angesetzt. In Deutschland finden wir also Schnitte in den Größen 32-50 oder mehr für Frauen, die ca. 1,68 groß sein sollen - denn das ist die Durchschnittsgröße der Frauen hierzulande. Wenn man nun also aus einem Minirock in der Größe 36 eine 42 machen will, wird die 42 nicht viel länger ausfallen als die 36, aber dafür deutlich breiter sein - was natürlich nicht sinnvoll ist. Gradieren möchte genau dies verhindern und kann dabei ziemlich herausfordernd sein. Nicht ohne Grund ist Gradieren ein Ausbildungsberuf.

Gradieren hat viele Vorteile: Einen vorhandenen Schnitt in einer neuen Größe anzupassen ist schneller gemacht, als einen komplett neuen Schnitt zu erstellen. Doch ganz unproblematisch ist es auch nicht, denn die Designer und Designerinnen können ihren Maßtabellen zum Beispiel ganz eigene Maße zugrunde legen. Durchschnittswerte aus Frankreich fallen anders aus, als Britische - ihr müsst also ohnehin bei jedem Schnitt neu in die Maßtabelle schauen.

Ein anderer Problempunkt ist die Gradierung von großen Größen: Wenn ihr diese näht, werdet ihr immer wieder auf Schnitte treffen, die zwar fein säuberlich gradiert wurden, aber vernäht am Ende komplett anders ausfallen, als das Coverfoto auf der Nähanleitung. So mancher Schnitt kann ab einer bestimmten Größe nämlich nicht mehr nur länger und breiter gemacht werden, sondern braucht zum Beispiel auch Abnäher an Taille oder Brust, die die Form erhalten. Besonders bei großen Größen macht es also Sinn, nach Schnitten zu schauen, die nicht einfach vergrößert wurden, sondern schon in der Konzeption für große Größen gedacht wurden.

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