L wie Leinen im Makerist Nählexikon - Powered by Prym

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Viele von uns kennen Leinen noch von Omis alten Tischdecken und schauen sich im Stoffgeschäft eher nicht danach um, dabei ist Leinen ein ganz fantastisches Material. Leinen ist eines der ältesten Materialien, das die Menschheit je gesponnen, gewebt und zu Stoff verarbeitet hat. Schon im alten Ägypten wurden Leinengewebe genutzt, im Mittelalter war Leinen neben Wolle das meistgenutzte Material für Kleidung. Und auch heute hat Leinen noch viele Vorzüge!

Was ist Leinen eigentlich?

Leinenfasern oder Flachsfasern sind pflanzliche Fasern, die aus dem gemeinen Lein oder auch Flachs gewonnen werden. Das ist dieselbe Pflanze, die uns auch das heimische Superfood Leinsamen und Leinsamenöl schenkt. Zur Herstellung der Fasern werden die Pflanzen komplett mit Wurzeln aus dem Boden gerissen und dann weiterverarbeitet. An dieser Stelle gehen wir nicht zu sehr ins Details, folgendes sei an dieser Stelle gesagt: die Pflanzen werden geröstet (das ist eine Art der Fermentation), dann getrocknet und zerschlagen, sodass die holzigen Bestandteile abfallen (diese Reste können wie Stroh in der Landwirtschaft genutzt werden), sodass schließlich weiche Fasern übrig bleiben. Diese werden gekämmt und gereinigt und können dann weiterverarbeitet werden, zu Garnen und Flächen.

Lein und seine Bestandteile können ganz unterschiedlich genutzt werden. In der Herstellung entstehen unterschiedlich lange Fasern. Während die langen gern zu Garnen und Stoffen gemacht waren, sind die kürzeren zum Beispiel als Dämmmaterial nutzbar. Gerade in Hinblick auf die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen ist Lein gerade ein spannendes, regionales Material.

Leinenstoffe in der Nähwelt

Für uns Näher und Näherinnen ist wahrscheinlich der Stoff das Interessanteste: im Handel findet ihr Leinenstoffe in allen Farben und Varianten, manche eher grob und schwer verarbeitet andere feiner und fast fließend. Als steife Webwaren oder elastische Jerseys und natürlich rein, mit 100% Leinenanteil oder als Mischgewebe mit Baumwolle oder im Moment auch oft mit Viskose - letzterer macht den sonst eher steifen Stoff deutlich weicher auf der Haut.

Projekte für Leinenstoff

Welche Projekte ihr aus Leinen nähen könnt, hängt natürlich davon ab, wie euer Stoff verarbeitet ist. Wie Baumwolle, beschreibt Leinen ja nur das Material, und das kann dann eben gewebt oder gestrickt sein. Leinenjerseys existieren - sind aber relativ schwer zu kriegen. Im Makerist Materialshop findet ihr leider noch keine Leinenjerseys, wir sind aber immer dabei das Sortiment zu erweitern und halten euch gern im Newsletter über neue Stoffe auf dem Laufenden. Falls ihr schon einen Leinenjesey zur Hand habt, könnt ihr direkt mit den gängigen Jerseyprojekten an die Nähmaschine gehen: T-Shirts, Pullover, Pumphosen, und viele mehr. Leinenjerseys sind etwas gröber und dadurch auch weniger elastisch als Baumwolljerseys, die Projektmöglichkeiten sind aber relativ ähnlich.

Unelastische Leinenwebwaren sind gängiger und eigenen sich für alle möglichen Projekte. von Dekogegenständen wie Kissen oder Vorhängen, über Haushaltshelfer wie Geschirrtücher oder Tischdecken, bis hin zu Kleidung. Gerade leichte Sommerkleidung wird gern aus Leinen genäht: Hemden, Blusen, Kleider, Tuniken und natürlich die allseits beliebte Leinenhose.

Leinen: Pro und Contra

Im Video verrät euch Bettina, warum es sich lohnt für Leinenstoff ruhig mal über den Tellerrand zu schauen und damit zu nähen. Als großer Leinen-Fan, hat sie zahlreiche Gründe, die dafür sprechen. Es gibt aber auch Aspekte, die den ein oder anderen Nähfreund auch abschrecken:

Contra:

  • Obwohl Leinen relativ robust ist, kann er von mechanischen Einflüssen leicht aufscheuern.
  • Leinenfasern sind relativ stark, der Stoff franst beim Nähen dementsprechend auch stärker aus als Baumwoll-Webwaren.
  • Leinen knittert schnell und stark.
  • Leinen hat ein unmodernes Image und wird gern als Öko-Material gesehen. Das kann am starken Knittern des Stoffes liegen. Hinzu kommt aber auch, dass viele Mittelalter- und Trachtenstücke aus Leinen gemacht sind und damit ein etwas veralteter Eindruck daher kommt.

Pro:

  • Leinen, vor allem Leinenwebwaren lassen sich wunderbar einfach vernähen und verhalten sich berechenbar und einfach unter der Nähmaschine.
  • Leinenstoff ist sehr robust und haltbar: Waschmittel, Bügeleisen und so weiter machen dem Stoff nichts aus.
  • Obwohl Leinenfasern und Garne relativ grob sind, liegt Leinenstoff relativ weich und sehr angenehm auf der Haut.
  • Leinen sorgt für einen guten Temperatur und Feuchtigkeitsaustausch auf der Haut: im Sommer liegt Leinen kühl auf der Haut und man schwitzt weniger, bzw. die Feuchtigkeit wird gut durch den Stoff transportiert und staut sich nicht im Kleidungsstück.
  • Leinen ist eine Naturfaser und damit ein echter Ökoheld! Leinenstoff wird aus einem nachwachsenden Rohstoff gewonnen und dieser Rohstoff ist dazu noch ein relativ pflegeleichter! Im Anbau kommt Leinen im Vergleich zu Baumwolle mit deutlich weniger, teilweise auch komplett ohne Pestizide und Dünger aus. Leinen kann bei uns regional angebaut werden - Deutschland ist dabei statistisch kein Vorreiter, jedenfalls nicht was den Stoff angeht, Öl und Saaten gibt es zwar direkt aus Brandenburg, Leinenstoff ist jedoch eher in Osteuropa angesiedelt. Leinen ist eine Naturfaser und somit zu 100% biologisch abbaubar: Hieraus ergibt sich weiter, dass Leinen die Umwelt nicht mit Mikroplastik belastet, wie es viele synthetische Fasern tun. Bis zu 30% des Mikroplastiks in den Meeren wird von Experten auf synthetische Kleidung zurückgeführt. Naturmaterialien wie Leinen verlieren zwar auch Fasern in der Waschmaschine, diese zerfallen aber rückstandslos.

Was ist beim Nähen mit Leinen zu beachten?

Wenn es euch jetzt gepackt hat und das nächste Nähprojekt direkt einen Leinenstück werden soll, wünschen wir euch ganz viel Spaß dabei und haben noch drei kleine Tipps für euch:

Leinen verhält sich an der Nähmaschine ähnlich einfach wie eine Baumwollwebware, franst aber etwas stärker aus. Auch Nähanfänger können problemlos damit nähen. Leinen läuft bei der ersten Wäsche bis zu 10% ein - denkt unbedingt daran euren Stoff vorm Vernähen zu waschen! Im leicht feuchten Zustand lässt Leinen sich übrigens wunderbar bügeln! Leinen ist eher steif als leicht fließend und fällt je nach Verarbeitung und Garnstärke sehr unterschiedlich. Schaut bei euren Nähprojekten genau hin und entscheidet, ob die steife Haptik von Leinen passend ist.

Mehr Nähwissen aus dem Makerist Nählexikon - Powered by Prym findet ihr im Inhaltsverzeichnis. Außerdem lohnt sich ein Blick auf unsere Leinenstoffe:

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